Sexting

aktualisiert am 10. Dezember 2019

Unter Sexting versteht man das Chatten über erotische und anregende Themen. Es handelt sich um Dirty Talk über Messenger wie WhatsApp, Snapchat oder ähnliche Dienste, dabei können auch Bilder (wie zum Beispiel Nacktfotos) versendet werden. Der Begriff Sexting setzt sich aus den Wörtern Sex und texting zusammen, was das Schreiben von erotischen Nachrichten meint. Meistens bezeichnet Sexting nicht nur das entsprechende Textmaterial, sondern auch Fotos vom eigenen nackten Körper. Sexting dient dem Vergnügen und eignet sich zum Flirten, allerdings ist das Ganze mit Vorsicht zu genießen. Über einmal verschickte Fotos hat man keine Kontrolle mehr, sie werden unter Umständen gespeichert und weiterverbreitet.

Tipps

Kurze Tipps für Safer-Sexting:

  • Einverständnis: „Mache nur beim Sexting mit, wenn du es wirklich willst“.
  • Gefühlswahrnehmung: Achte auf dein Gefühl.
  • Vertrauen und Verantwortung: Der Person, der die Bilder geschickt werden, sollte man vertrauen können.
  • Wechselseitigkeit: Bilder des anderen können als Rückversicherung dienen, dass eigene Bilder nicht veröffentlicht werden.
  • Aufklärung über die Rechtslage: Jugendliche sollten das Recht am eigenen Bild kennen.
  • Klärung der Schuldfrage: „Du hast nichts falsch gemacht. Schämen sollten sich diejenigen, die Fotos weiterleiten und andere mobben„.
  • Respekt im Umgang miteinander.
  • Sicherheitstipps bezüglich der Gestaltung: Erstellen von diskreten, anonymen oder professionellen Bildern. 

Was ist Sexting?

Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich der Begriff zur Beschreibung des interpersonalen Austauschs von erotischen Fotos und Filmaufnahmen des eigenen Körpers etabliert. 1Vogelsang, Verena (2017): Sexuelle Viktimisierung, Pornografie und Sexting im Jugendalter. Ausdifferenzierung einer sexualbezogenen Medienkompetenz. Springer Fachmedien Wiesbaden. Die einzelnen Nachrichten mit entsprechendem Inhalt werden als Sexts bezeichnet. Das beim Sexting versendete Bildmaterial ist sexuell konnotiert, dementsprechend ist die abgebildete Person nackt oder leicht bekleidet zu sehen. Dazu kommt eine gewisse Art des Posens, sodass der präsentierte Körper möglichst vorteilhaft ausschaut oder der Blick auf gewisse Körperpartien gelenkt wird.

Motivation für Sexting

Es gehört zu den Entwicklungsschritten Jugendlicher, erste sexuelle Beziehungen aufzubauen. Beim Chatten können die Jugendlichen herausfinden, wie sie beim anderen Geschlecht sexuelle Aufmerksamkeit erregen und diese steuern können, des Weiteren werden Flirtstrategien erlernt und erprobt. Heranwachsende testen ihre eigene Sexiness, also wie sie bei anderen Personen ankommen und ob diese sie als attraktiv empfinden. Sexting eignet sich auch, um sich langsam dem großen Thema Sex zu nähern. Wenn man sich im echten Leben noch nicht bereit fühlt, kann man sich im Chat dennoch Dinge trauen bzw. gewisse Gesprächsthemen anregen. Besonders für schüchterne Menschen kann es ein erstes vorsichtiges Herantasten im Schutze der Anonymität sein. Sie können über Sexts eine Rückmeldung zur ihrer Selbstdarstellung erhalten, das fördert im besten Falle das Selbstbewusstsein. Auf der anderen Seite können auch negative Kommentare zum Aussehen oder generell unerfreuliches Feedback die Jugendlichen in ihrer Selbstwahrnehmung verunsichern und zweifeln lassen. 2Vogelsang, Verena (2017): Sexuelle Viktimisierung, Pornografie und Sexting im Jugendalter. Ausdifferenzierung einer sexualbezogenen Medienkompetenz. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Durch die weite Verbreitung von Smartphones und anderer digitaler Endgeräte bieten sich einfache Möglichkeiten, um Sexualität auszudrücken und diskret zu kommunizieren. Die verfügbare Technologie wird wie selbstverständlich in intime Beziehungen mit eingebunden, Sexting findet in erster Linie per Handy statt.

Auch Stars wie Miley Cyrus oder Rihanna sexten und stellen so ein Vorbild für viele Jugendliche dar. Das Fernsehen dient oft als Informationsquelle Nummer eins, auch in Bezug auf das Thema Sexting. Doch die Idole der Jugendlichen können nicht alles in Bezug auf den Umgang mit Sexting vermitteln. Oft werden nur die schönen und aufregenden Seiten gezeigt, auf die Risiken und Gefahren der Onlinekommunikation wird nicht eingegangen. 3Vogelsang, Verena (2017): Sexuelle Viktimisierung, Pornografie und Sexting im Jugendalter. Ausdifferenzierung einer sexualbezogenen Medienkompetenz. Springer Fachmedien Wiesbaden.

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Das Verhältnis der Gesellschaft zu Privatsphäre und Öffentlichkeit wandelt sich, auch wenn der individuelle Grad der Offenheit sehr verschieden ist. Sexting an sich ist kein neues Phänomen, durch die Digitalisierung haben sich lediglich die Formen der Kommunikation verändert. Auch früher war es möglich, erotische Briefe zu schreiben und ggf. Fotos beizulegen, heute geschieht das online. Unser Zeitalter hat neue Formen der Kommunikation entwickelt, was auch zu einem anderen Dating-Verhalten und einer stärker sexualisierten Gesellschaft führt.
Durch die allzeitige Vernetzung hat die sexualbezogene Internetnutzung Potenzial für Heranwachsende, ihre sexuelle Identität auszuprobieren und zu gestalten. In unserer digitalen Welt ändern und vervielfältigen sich die Möglichkeiten und Formen der Technik extrem schnell, die menschlichen Bedürfnisse nach Kommunikation, Vertrautheit und Beziehung bleiben aber bestehen. Sexting ist nur eine der zahlreichen Herausforderungen, die auf die jungen Menschen zukommen, wenn sie ihre Möglichkeiten in Bezug auf Liebe, Sexualität und Beziehung ausprobieren. 4Davidson, Judith (2014): Sexting. Gender and Teens. Teaching Gender, Volume 3. Sense Publishers, Rotterdam.
Sexting wird vor allem mit zunehmenden Alter für die Jugendlichen interessant. Besonders unter jungen Erwachsenen ist diese Form des Chattens verbreitet, da sexuelle Onlinekommunikation die Intimität zwischen zwei Personen sogar verstärken kann. Aus unverbindlichem Flirten kann eine Liebesbeziehung entstehen und Sexting ein Bestandteil von festen Partnerschaften sein. In Paarbeziehungen lässt sich das gegenseitige Vertrauen überprüfen und stärken, ebenso ist es möglich, den Partner über Sexts zu erregen. Folglich kann Sexting sowohl als schriftliches, digitales Vorspiel fungieren, als auch Intimität über die gemeinsam geteilten Bilder herstellen. Ein weiteres Nutzungsmotiv ist das Aufrechterhalten und das Ausleben der sexuellen Lust bei Fernbeziehungen. 5Vogelsang, Verena (2017): Sexuelle Viktimisierung, Pornografie und Sexting im Jugendalter. Ausdifferenzierung einer sexualbezogenen Medienkompetenz. Springer Fachmedien Wiesbaden.

Insgesamt dient Sexting der Lustgewinnung und der Verabredung zu Dates oder auch zu Gelegenheitssex. Es kann bei der Selbstvergewisserung helfen und sollte beiden Seiten Spaß machen. Jugendliche können sich durch Sexting mit ihrer Körperlichkeit auseinandersetzen und ihr Selbstbild bestätigen lassen. Eine entscheidende Rolle dabei spielt die Peergroup. Das Erhalten und/oder Senden von Sexts bringt den Jugendlichen Anerkennung und lässt sie als beliebt und mutig dastehen. 6Vogelsang, Verena (2017): Sexuelle Viktimisierung, Pornografie und Sexting im Jugendalter. Ausdifferenzierung einer sexualbezogenen Medienkompetenz. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Sexting wird also nicht nur als Mittel der Paarkommunikation in Beziehungen verwendet, sondern dient auch der Aufrechterhaltung des sozialen Status in einer Gruppe. Durch viele Sexts wird Beliebtheit und auch Macht vermittelt. Aus Sexting kann ein regelrechter Wettstreit werden, wenn verglichen wird, wer zum Beispiel Fotos von wem bekommt. 7Davidson, Judith (2014): Sexting. Gender and Teens. Teaching Gender, Volume 3. Sense Publishers, Rotterdam. Dementsprechend kann davon ausgegangen werden, dass nicht jede Nachricht vertraulich und diskret behandelt wird, dafür müssen Jugendliche sensibilisiert werden. Bei Sexting muss es sich jedoch nicht ausschließlich um das Versenden von Nacktfotos handeln, sondern auch suggestive Gute-Nacht-Nachrichten können als Sexting bezeichnet werden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Motivation Jugendlicher auf der Suche nach Intimität, einer vertrauensvollen Beziehung, dem Wunsch nach Sex, soziale Kontrolle und eine Machtdemonstration in der Peergroup basiert.

Nacktfotos

Die Jugendlichen sollten verantwortungsvoll und vorsichtig mit Nacktfotos umgehen. Das betrifft sowohl die eigenen Bilder, als auch die Bilder der anderen. Trotzdem bleibt es ein Risiko, das es abzuwägen gilt, ob der Empfänger das Foto ebenfalls vertrauensvoll behandeln oder er es womöglich weitersenden wird. Besser ist es daher, wenn beide Seiten ein entsprechendes Bild zur Verfügung stellen und der Austausch des Bildmaterials somit auf Gegenseitigkeit beruht.
Jede Person hat das Recht am eigenen Bild, das nicht verletzt werden darf. Werden Fotos „ohne Einverständnis der abgebildeten Person weitergeleitet“ 8Vogelsang, Verena (2017): Sexuelle Viktimisierung, Pornografie und Sexting im Jugendalter. Ausdifferenzierung einer sexualbezogenen Medienkompetenz. Springer Fachmedien Wiesbaden., handelt es sich um eine Missachtung des Gesetzes und ist strafbar. Die abgebildete Person könnte verspottet oder gemobbt werden, nachdem eins ihrer Bilder in Umlauf gebracht wurde. Weitere Folgen können Scham, Stigmatisierung und der Verlust von Ansehen sein. Gerade Mädchen werden in diesem Zusammenhang oft als Schlampe oder leicht zu haben betitelt. Männliche Jugendliche gelten eher als cool, wenn sie Kontakt zu vielen Mädchen haben und Sexts empfangen.
ästhetisch und nicht billig aussehen sollten. 9Vogelsang, Verena (2017): Sexuelle Viktimisierung, Pornografie und Sexting im Jugendalter. Ausdifferenzierung einer sexualbezogenen Medienkompetenz. Springer Fachmedien Wiesbaden. Hilfreich ist es eventuell, wenn nur der Körper ohne den Kopf fotografiert wird, um einer eventuellen Identifikation vorzubeugen.

Ratschläge

Es ist wichtig, dass die Heranwachsenden eine Vertrauensperson haben. In erster Linie werden die eigenen Eltern in Betracht gezogen, doch es ist schön – gerade bei heiklen Themen wie der Sexualität – außerdem noch weitere Bezugspunkte zu haben. Das können Vertrauenslehrer in der Schule sein, Sporttrainer oder auch Paten. Diese können sich mit den Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen und offene Fragen klären oder bei der Vorgehensweise beim Sexting beraten. Nicht immer wissen Jugendliche, wie sie mit erhaltenen Nachrichten umgehen oder diese interpretieren sollen. Eventuell bekommen Jugendliche unaufgefordert Fotos geschickt, die sie gar nicht sehen wollten oder fühlen sich in der Schuld, etwas vermeintlich cooles zurücksenden zu müssen. Gerade dann ist es entscheidend, dass sie sich nicht allein gelassen fühlen und Angst vor einem Urteil haben müssen, sondern auf ein offenes Ohr treffen können. 10Davidson, Judith (2014): Sexting. Gender and Teens. Teaching Gender, Volume 3. Sense Publishers, Rotterdam.

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Als Elternteil sollte man nach Möglichkeit darauf achten, dass die Heranwachsenden aus freien Stücken sexten und nicht von anderen Personen oder der Peergroup dazu gedrängt werden. Das persönliche Einverständnis ist unbedingte Grundlage und Voraussetzung. Sobald irgendetwas unangenehm wird oder zu weit geht, sollte diese Kommunikation sofort beendet werden.
Kinder müssen lernen, dass Schönheitsideale von den Medien propagiert werden, aber nicht dem Durchschnittskörper entsprechen. Es ist sinnvoll mit dem Kommunikationspartner klare Regeln bezüglich der Sexts zu vereinbaren und sich über die Handlungsmöglichkeiten bei Regelverstoß zu informieren. Jede Person sollte Stellung beziehen und deutlich machen, was sie möchte und wo ihre persönlichen Grenzen liegen. Jugendliche sollten sich nicht einschüchtern oder unter Druck setzen lassen. Ein wichtiges Signal dabei ist auch das eigene Bauchgefühl. 11Vogelsang, Verena (2017): Sexuelle Viktimisierung, Pornografie und Sexting im Jugendalter. Ausdifferenzierung einer sexualbezogenen Medienkompetenz. Springer Fachmedien Wiesbaden.

Im Allgemeinen überwiegen jedoch die positiven Nutzungspotenziale, problematische Zwischenfälle und entsprechende soziale Konsequenzen kommen nur selten vor. Sexting kann also eine angemessenen Kommunikationsform in einer Entwicklungsphase von jungen Menschen sein und muss nicht zwangsläufig negativ beurteilt werden.

Quellen & Literatur

Onlinequellen: s.u.

Literatur: s.u.

Quellen   [ + ]

1, 2, 3, 5, 6, 8, 9, 11. Vogelsang, Verena (2017): Sexuelle Viktimisierung, Pornografie und Sexting im Jugendalter. Ausdifferenzierung einer sexualbezogenen Medienkompetenz. Springer Fachmedien Wiesbaden.
4, 7, 10. Davidson, Judith (2014): Sexting. Gender and Teens. Teaching Gender, Volume 3. Sense Publishers, Rotterdam.
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