Mediensucht

aktualisiert am 26. November 2019

Medien üben auf Kinder und Jugendliche eine große Faszination aus. Die Nutzung sozialer Netzwerke, das Surfen und Spielen im Internet, die Spielkonsole und das Smartphone sind manchmal sogar so reizvoll, dass die Zeit darüber vergessen wird. Es kann zu Konflikten zwischen Eltern und Kindern kommen, wenn die Nutzung so intensiv wird, dass alle anderen Aktivitäten vernachlässigt werden. Jedoch muss zwischen einer zeitbezogenen Phase stärkerer Mediennutzung und einem zeitstabilen Suchtphänomen unterschieden werden.

Tipps

Kurze Tipps zum Thema Mediensucht:

  • offene Kommunikation zwischen Eltern und Kindern
  • kein striktes Verbot der Medien (führt oft zu heimlicher, exzessiver Nutzung)
  • eine gelegentliche gemeinsame Nutzung der Medien
  • Regeln in Bezug auf das Internet und die Computernutzung, um Medienkompetenz zu fördern

Intensives Interesse an digitalen Medien

Viele Jugendliche durchlaufen Phasen, in denen sie fokussiertes Interesse an bestimmten Themen oder Aktivitäten aufweisen, welches aber unter Umständen von allein wieder erlischt oder durch eine andere Phase abgelöst wird. Daher ist exzessive, suchtartige Mediennutzung nicht zwangsläufig ein Fall für den Therapeuten, sondern eine erzieherische Herausforderung. Zu den Risikofaktoren der allgemeinen Internetsucht bei Jugendlichen zählen ein ausgeprägtes Bedürfnis nach sozialer Interaktion, eine starke soziale Isolation, Persönlichkeitsmerkmale wie Schüchternheit, Neurotizismus (emotionale Labilität), Stressanfälligkeit, ein geringes Selbstwertgefühl und der Hang zur Prokrastination (Aufschieben von anstehenden Aufgaben und Tätigkeiten). Des Weiteren spielen das Gefühl von Einsamkeit und eine gering wahrgenommene Unterstützung, beispielsweise von Eltern und Freunden, eine wichtige Rolle bei exzessiver Mediennutzung. 1Evers-Wölk, M.; Opielka, M.: Neue elektronische Medien und Suchtverhalten. Forschungsbefunde und politische Handlungsoptionen zur Mediensucht bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Hrsg.: Studien des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), Band 43, 1. Aufl. 2016, Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, S. 53; 121.

Auffälliges Suchtverhalten

Um von einer Sucht sprechen zu können, müssen konkrete Symptome erfüllt sein. Dazu gehört z.B. eine „progressive Einengung des Verhaltensraums„, was bedeutet, dass die Betroffenen über einen längeren Zeitraum, den Großteil ihrer Tageszeit für die Mediennutzung verausgaben und auch außerhalb der Nutzung daran denken. Des Weiteren verlieren sie die Kontrolle über die Fähigkeit, die Dauer der Mediennutzung zu begrenzen. Es wird sogar immer länger gespielt, um einen gewünschten Effekt und dadurch einen zufriedenen Zustand zu erreichen. Ist es den Betroffenen nicht möglich, das Internet oder den Computer zu nutzen, treten „Entzugserscheinungen„, wie Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, Nervosität und Niedergeschlagenheit, auf. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem anhaltenden Mediengebrauch und der Vernachlässigung von Interessen und Aufgaben, trotz bewusst wahrgenommener schädlicher Folgen. Diese Folgen können z.B. Fehlzeiten in der Schule, ein Abbruch der Ausbildung, der Verlust des Partners oder finanzielle Probleme sein. Im Falle einer Sucht sind die Betroffenen oftmals nicht in der Lage, sich aus ihrer Situation zu befreien und dadurch auf die Hilfe von Familie und Freunden angewiesen.

Zu den Warnsignalen einer Mediensucht gehören:

  • die Entwicklung der Mediennutzung zum einzigen Freizeitinteresse der Betroffenen
  • häufige familiäre Konflikte über die Begrenzung der Häufigkeit und Intensität der Mediennutzung
  • die Nichterfüllung schulischer oder anderer Verpflichtungen aufgrund von Computer- und Internetnutzung

Ein striktes Verbot der Eltern führt oft zu heimlichem oder noch exzessiverem Mediengebrauch der Kinder. Deswegen raten Experten zu einer guten, offenen Kommunikation zwischen Eltern und Kindern, damit diese sich (und ihr auf den Mediengebrauch bezogenes Verhalten) verstanden, respektiert und ernst genommen fühlen. Eine gelegentliche gemeinsame Nutzung und das Aufstellen von Regeln in Bezugnahme auf die Internet- und Computernutzung können hilfreich sein, um ein beidseitiges Verständnis und geeignete Medienkompetenz zu fördern. 2Kammerl R. et al.: EXIF: Exzessive Mediennutzung in der Familie. Hrsg.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin (Hrsg.): Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche. Eine Bestandsaufnahme, Berlin: BMFSFJ, 2013., S. 15; 17; 23.

Sollte dies nicht zum gewünschten Erfolg führen, bietet das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) umfangreiches Material für Betroffene und Angehörige sowie Adressen von qualifizierten Einrichtungen.

Weitere (externe) Informationen:

Quellen & Literatur

Onlinequellen: s.u.

Literatur: s.u.

Quellen   [ + ]

1. Evers-Wölk, M.; Opielka, M.: Neue elektronische Medien und Suchtverhalten. Forschungsbefunde und politische Handlungsoptionen zur Mediensucht bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Hrsg.: Studien des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), Band 43, 1. Aufl. 2016, Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, S. 53; 121.
2. Kammerl R. et al.: EXIF: Exzessive Mediennutzung in der Familie. Hrsg.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin (Hrsg.): Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche. Eine Bestandsaufnahme, Berlin: BMFSFJ, 2013., S. 15; 17; 23.
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