Fake News und Extremismus

aktualisiert am 10. Dezember 2019

Was sind Fake News und wie schütze ich mein Kind und mich davor?

Immer häufiger werden Fake News in den Medien relevant. Gerade für die Erziehung eines Kindes, das Zugang zu sozialen Netzwerken und Broadcast-Plattformen (wie z.B. YouTube und Twitch) hat, auf denen jeder seine Meinung unzensiert und ungeprüft kundtun kann, ist es unvermeidbar, früher oder später mit diesem Thema in Berührung zu kommen; mehr oder weniger mittelbar.

Doch was kann man als Eltern leisten, um das eigene Kind vor Fake News zu schützen? Zunächst einmal sei vorweggenommen, dass es nicht möglich ist, sich oder das eigene Kind vor dem Kontakt mit Fake News zu schützen. Allerdings ist es möglich, sich und dem eigenen Kind das nötige Rüstzeug anzulegen, um den Manipulationsversuchen anderer zu widerstehen. Dies ermöglicht den souveränen Umgang mit Medien, Berichterstattung und anderen Nutzern der gemeinsam genutzten Onlinewelten. Denn die größte Gefahr, die von Fake News ausgeht, ist die negative Beeinflussung des Weltbildes der Menschen. Es gibt jedoch zahlreiche Hilfsmittel, um das eigene Weltbild vor der Trübung durch Unwahrheiten zu schützen.

Genau dieser Problematik widmet sich der folgende Beitrag. Wir steigen mit einer knappen Definition ein, liefern eine Handvoll Werkzeuge, mit deren Hilfe wir Fake News als solche enttarnen können und runden das Ganze mit Videobeiträgen ab, die uns weitere Mittel an die Hand geben, mit denen wir uns und unsere Kinder vor den mehr oder weniger absichtlich verbreiteten Falschmeldungen anderer schützen können.

Fake News sind in den Medien und im Internet verbreitete Falschmeldungen (als Fakten dargestellte Lügen), die darauf abzielen, die Meinung und Emotionen der Leser/Hörer/Zuschauer zu beeinflussen, u. a. zur Selbstdarstellung; zu unterscheiden von der Zeitungsente, die auch unbeabsichtigt falsch sein kann. 1In Anlehnung an: https://www.duden.de/rechtschreibung/Fake_News und Strässle, Thomas: Fake und Fiktion. Über die Erfindung von Wahrheit. München: Carl Hanser 2019

Das aus dem Weg, widmen wir uns den konkreten Praktiken, die Sie sich aneignen und Ihrem Kind mit auf den Weg durch den digitalen Dschungel geben können.

Wie erkenne ich Fake News?

Einige Tipps zur Prüfung der Glaubwürdigkeit 2In Anlehnung an: Himmelrath A. u. Egbers J.: Fake News. Ein Handbuch für Schule und Unterricht. Bern: hep 2018

  • AutorIn hinterfragen: Gibt es überhaupt eine(n) AutorIn? Wer für seine Publikationen nicht mit seinem Namen einsteht, kann nicht ernst genommen werden. Gibt es eine(n) AutorIn: Suchmaschinen nutzen. Ist der/die AutorIn ExpertIn auf dem Gebiet? Gibt es auf der Seite ein Impressum? Wenn nicht: Unseriös.
  • Format der Nachricht: Bei sozialen Netzwerken gilt: Die Aussagen in Tweets und Posts sind meistens persönliche Meinung. Unter Zuhilfenahme von Suchmaschinen kann man überprüfen, ob über ein Ereignis an mehreren Stellen berichtet wird und inwiefern sich die Mitteilungen decken.
  • Professionalität hinterfragen: Wie aktuell ist die Nachricht? Wird für die Nachricht ein plausibler Zusammenhang geliefert? Auf welche Quellen beruft sich die Nachricht?
  • Bilder werden oft aus Sensationslust zweckentfremdet. Über Google kann man ein Bild rückwärts suchen und sieht so, ob es auch auf anderen Seiten und in anderen Zusammenhängen auftaucht. Wenn ja, ist die Nachricht nicht mehr seriös.
  • Ausdrucksweise der Mitteilung analysieren: Wurde die Nachricht in einem sachlichen Stil verfasst? Werden Verallgemeinerungen gebraucht? Werden wertende Ausdrücke verwendet? Stimmen Rechtschreibung und Zeichensetzung?

Exkurs: Beispielhafte Vorführung einiger Tipps an einem Beispiel

Es gilt, die Glaubwürdigkeit dieser Mitteilung auf Twitter zu überprüfen. Das erste wichtige Kriterium für Glaubwürdigkeit einer Aussage ist der Verweis auf die entsprechende Quelle, den Herr Quaschning hier liefert, indem er den Artikel direkt verlinkt.

Noch bevor wir mit dem Lesen des Artikels beginnen, fällt zunächst positiv auf: Die Autorin gibt sich namentlich zu erkennen (Emma Snaith).

Der Artikel verwendet zu Sensationszwecken Bilder, die einen Waldbrand darstellen. Angeblich sei dies der im Artikel berichtete Waldbrand. Mit einer Google-Rückwärtssuche lässt sich schnell überprüfen, in welchen anderen Zusammenhängen die Bilder des Artikels auftauchen. So lässt sich eingrenzen, wie wahrscheinlich es ist, dass die gezeigten Bilder tatsächlich mit dem berichteten Ereignis zusammenhängen.

Wir sehen, dass alle Seiten, auf denen Google dieses Bild findet, ebenfalls von dem Waldbrand in Spanien berichten.

Wieder zurück auf der Seite des Artikels selbst, sehen wir unter der Bildbeschreibung die Quelle des Bildes. Hier handelt es sich um eine seriöse Nachrichtenagentur, was erklärt, warum das Bild ausschließlich in den Nachrichten verwendet wird.

Zu guter Letzt schauen wir noch, ob die Nachrichtenseite über ein Impressum verfügt. Das tut sie, womit die Seriosität der Seite selbst bestätigt wäre.

Wir haben es in wenigen Schritten geschafft, uns einen groben Überblick darüber zu verschaffen, ob den Artikel zu lesen überhaupt unsere Zeit wert sein kann. In diesem Fall gibt es grünes Licht.

Sonderfall: Fake Science

„Eine neue Studie zeigt, dass…“ Oft liest man in der medialen Berichterstattung von neuen Studien, deren Erkenntnisse zu Sensationszwecken bedeutungsvoller dargestellt werden, als sie tatsächlich sind. Doch wie kann man als Laie erkennen, ob die berichteten Erkenntnisse echte Relevanz, für beispielsweise die Medienerziehung des Kindes, haben? Wissenschaftliche Veröffentlichungen gelten noch nicht als anerkannte Tatsachen, bis sie erfolgreich durch Peer-Review geprüft sind; englisch von peer „Gleichrangiger“ und review „Gutachten“. Durch ein Peer-Review wird die Qualität der Veröffentlichungen wissenschaftlicher Studien gewährleistet, indem unabhängige Gutachter aus dem gleichen Fachgebiet diese prüfen.

Die folgenden Videos wurden ausgewählt, da alle Aussagen darin mit Quellen in der Videobeschreibung belegt werden, sodass der Wahrheitsgehalt des Gesagten unmittelbar überprüft werden kann. Begegnen Sie Dr. Mai Thi Ngyuen-Kim, einer deutsch-vietnamesischen, promovierten Chemikerin, die ihre Expertise und ihren scharfen Verstand der Wissenschaftskommunikation und -vermittlung in den Dienst stellt. Vor allem auf ihrem YouTube-Kanal maiLab lädt sie regelmäßig Beiträge hoch, in denen sie punktuell kritische Themen behandelt.

Die Kunst Bullshit zu erkennen (5 Regeln kritischen Denkens in Anlehnung an Carl Sagan)

In neun Minuten bringt uns Dr. Mai Thi Nguyen-Kim mithilfe von Carl Sagans The Demon-Haunted World näher, wie wir lernen können, im Alltag kritisch zu denken, damit andere es wesentlich schwerer haben, uns von Unwahrheiten zu überzeugen.

Die schlechtesten Argumente im Internet (8 Logikfallen in Anlehnung an Carl Sagan)

Hier erklärt Dr. Nguyen-Kim in knapp acht Minuten die acht am häufigsten auftretenden Scheinargumente, die man vor allem in diversen Kommentarspalten im Internet, aber auch im Alltag sehr häufig findet. Das Bewusstsein für diese Scheinargumente hilft uns dabei, Logiklücken in der Argumentation anderer leichter zu entdecken und schützt uns davor, uns von anderer Leute Un- bzw. Halbwahrheiten überzeugen zu lassen.

Der Betrug an der Wissenschaft (wie gefälschte Studien der Allgemeinheit schaden) #FakeScience

In diesem 20-minütigen Beitrag berichtet Dr. Nguyen-Kim darüber, wie ein gewaltiger Skandal in der Wissenschaft aufgedeckt wurde – allerdings legt Dr. Nguyen-Kim auch die vielschichtigen Hintergründe des Skandals dar. In jenem Skandal geht es um gefälschte Studien, die zu diversen Zwecken (u. a. politischen und wirtschaftlichen) instrumentalisiert werden. Dieser Beitrag führt uns aber auch vor Augen, warum der Wissenschaftsbetrieb eine bedeutende Relevanz für unseren Alltag hat.

Extremismus

Was ist Extremismus?

Extremismus ist ein Ausgrenzungsbegriff, das heißt, er steht nicht für sich allein, sondern ist in Relation zu der politischen Gesellschaft zu sehen. In diesem Zusammenhang kann Extremismus als starke Abweichung von der politischen Mitte bzw. der political correctness gesehen werden. Jedoch sollte der Begriff kritisch betrachtet werden, denn er wird häufig genutzt, um politische Gegner in ein schlechtes Licht zu rücken oder Meinungen und Taten zu verharmlosen. 3Jaschke, Hans-Gerd. Politischer Extremismus, S.16f

„Merkmale für Extremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sind vor allem die Ablehnung des Verfassungsstaats, die Verneinung der Interessensvielfalt in der Bevölkerung, starke Freund-Feind-Stereotypen, ideologischer Dogmatismus, ausgeprägtes Missionsbewusstsein. Dabei gibt es unterschiedliche Ausprägungen wie politischer oder religiöser Extremismus.“ 4https://www.schau-hin.info/informieren/medien/chatten/wissenswertes/hass-im-netz-hate-speech.html

Extremismus im Netz

Gerade in den letzten Jahren versuchen Rechtsextreme (so wie viele andere extreme Gruppierungen) ihr Gedankengut auf unterschwellige, moderne Art auf sozialen Netzwerken in die Gesellschaft zu bringen. „Dieser Trend setzt sich bei Gruppierungen wie der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ fort. Um Jugendliche zu ködern, nutzt sie geglättete Botschaften und unverdächtige Begriffe, inszeniert kleine und provokative Aktionen für das Internet und setzt dabei vor allem auf durchgestylte Optik. Einige wenige Aktivistinnen und Aktivisten können mit gut geschnittenen, provokant gestalteten Videoclips Millionen User erreichen. Die Aktionen richten sich nicht mehr an unmittelbar Beteiligte, sondern sind maßgeschneidert für ein junges Onlinepublikum.“ 5http://www.jugendschutz.net/fileadmin/download/pdf/Broschuere_Vernetzter_Hass.pdf
Wenn Sie mehr zu den Methoden von Rechtsextremen oder Islamisten im Internet erfahren möchten, empfehlen sich die Broschüren

von jugendschutz.net. Durch dieses Vorgehen kann es schwierig sein, Extremismus eindeutig zu erkennen, doch häufig benutzen extreme Gruppierungen im Netz Fake News, um ihre Ideologien zu verbreiten – diese kann man wie oben beschrieben erkennen. Ausführliche Information über Erkennungszeichen, Organisationen, etc. von extremen Gruppen finden Sie auf der Seite des Verfassungsschutzes.

Abschließende Tipps

  • Da vor allem sehr junge Kinder den Unterschied zwischen falschen und echten Nachrichten nicht erkennen können und leichter beeinflussbar sind, empfiehlt es sich eine der Kindersuchmaschinen oder zum Beispiel das Kinderportal für politische Informationen von der Bundeszentrale für politische Bildung zu benutzen. Damit kann der Kontakt im jungen Alter stark minimiert werden.
  • Sprechen Sie mit Ihren Kindern über Falschmeldungen, die Sie gesehen haben; erklären Sie, dass nicht alle Inhalte in den Medien echt sind und es Menschen gibt, die sich Meldungen ausdenken, um Geld zu verdienen oder Meinungen zu beeinflussen; vermitteln Sie Ihren Kindern ein Verständnis von Extremismus.

Quellen & Literatur

Onlinequellen: s.u.

Literatur: s.u.

Quellen   [ + ]

1. In Anlehnung an: https://www.duden.de/rechtschreibung/Fake_News und Strässle, Thomas: Fake und Fiktion. Über die Erfindung von Wahrheit. München: Carl Hanser 2019
2. In Anlehnung an: Himmelrath A. u. Egbers J.: Fake News. Ein Handbuch für Schule und Unterricht. Bern: hep 2018
3. Jaschke, Hans-Gerd. Politischer Extremismus, S.16f
4. https://www.schau-hin.info/informieren/medien/chatten/wissenswertes/hass-im-netz-hate-speech.html
5. http://www.jugendschutz.net/fileadmin/download/pdf/Broschuere_Vernetzter_Hass.pdf
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